Typische Geschäftsvorgänge zwischen Fonds und ihren Investoren – Teil 5.2 – NAV

Typische Geschäftsvorgänge zwischen Fonds und ihren Investoren – NAV (Teil 2)

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Wie bereits angekündigt möchte ich mich in diesem Beitrag mit den Rechen-  und Stellgrößen befassen. Später wird dann noch der Buchungsteil ergänzt. Ich komme leider zeitlich nicht dazu. 

Rechengröße

Welche Rechengrößen haben wir in Verbindung mit der NAV-Ermittlung? Direkt benötige ich:

  • Bewertung der einzelnen Investments
    Die Summe aller Bewertungen der einzelnen Assets eines Fonds sind die Grundlage für die Ermittlung des NAV. Es werden nur die noch aktiven Investments berücksichtigt.
  • Liquidität des Fonds
    Sonstige freien Vermögenswerte sind natürlich auch hinzuzurechnen. In der Regel handelt es sich um Einnahmen, die noch nicht an die Investoren ausgeschüttet worden oder aber Mittel, die von den Investoren abgerufen, aber noch nicht weiter investiert wurden. Es sind also in der Regel kurzfristige Mittel. Manchmal werden diese auch als Termingeld zwischengelagert.
  • Leverage Capital
    Sollte der Fonds mit ‚Leverage Capital‘ arbeiten, dann ist dies natürlich abzuziehen, da es das Vermögen schmällert. Leverage Capital wird neben dem Fondskapital der Investoren eingesetzt, um durch die damit verbundenen Effekte die Gesamtrendite zu steigern. Aufsichtsrechtlich bestehen hiergegen aufgrund der damit auch verbundenen nicht unerheblichen Risiken ziemliche Res­sen­ti­ments. 

Das KAGB verbietet oder begrenzt daher den Einsatz von Leverage Capital abhängig von der Assetklasse und dem Fondstyp. Außerdem sind die regulatorischen Anforderungen an Fonds, die Fremdkapital einsetzen ab einer gewissen Grenze meist sehr viel höher.

  • Fondsanteil in %,der dem Anteil eines Investors am Fondsvolumen zu einem bestimmten Stichtag entspricht. Dieser Anteil kann sich über die Laufzeit durchaus verändern.
  • Capital Call (Kapitalabruf),ist der Betrag, den eine KVG per Call Letter von ihren Investors anfordert. Sofern der Investor außerhalb des vereinbarten Commitments keine weiteren Verpflichtungen übernommen hat, ist das Commitment der Höchstbetrag aller Capital Calls. Ob die Beträge investiert werden oder als Fees verwendet werden, sollte normalerweise im Call Letter angeführt werden.
  • Distribution 
    sind alle Ausschüttungen eines Fonds an seine Investoren, zunächst unabhängig, ob als Gewinnausschüttung oder bloße Kapitalrückführung.
  • Fondsvolumen at cost
    Das Fondsvolumen at cost lässt sich aus den Zu- und Abflüssen des Fonds ermitteln. Es ist quasi der Nettokapitaleinsatz der ggf. noch um Wertberichtigungen (write-offs), welche ich auch noch gesondert behandlen muss,  zu reduzieren ist.

Kennzahlen

In Zusammenhang mit der NAV  habe ich als wesentliche Kennzahlen:

  • Residual Value to Paid-In (RVPI);
  • Total Value to Paid-In (TVPI) und
  • Internal Rate of Return (IRR)

Diese wurden in den vorherigen Beitragsteilen bereits angesprochen. Nur auf die IRR möchte ich hier noch näher eingehen.

Ich habe jetzt leider kein eigenes Softwaretool zur Hand, daher mache ich es wie die meisten, ich nutze Excel. Hier sei mir aber der Hinweis erlaubt, dass die Formel in Excel sehr einfach ist und daher eine etwas geringere Genauigkeit aufweist, wie z.B. in Spezialsoftware angebotene Formeln. Bei einem Einsatz solcher Tools solltest Du immer genau hinterfragen, was man Dir so vorsetzen möchte. Ich kann mir vorstellen, dass solche Themen künftig aufsichtsrechtlich relevant werden könnten.

In Excel selbst nutze ich die Formel: XIRR (Englisch) bzw. IKV (Deutsch).

Ich benötige mindestens eine Contribution und eine Distribution. Letztere kan auch durch den NAV zum Stichtag ersetzt werden. Der NAV wird solange eingesetzt, bis der Fonds alle Mittel am die Investoren ausgeschüttet hat.

Beispielrechnung

Die Beispielrechnung besteht diesmal aus zwei Teilen, da ich zunächst die Berechnung in Excel erläutern möchte und danach noch auf den RVPI und den TVPI eingehe.

IRR-Berechnung mit Excel

Ich nutze Excel in Deutsch. daher heißt die von mir genutzte Funktion: IKV.

Ich benötige 2 Spalten (A und B). In A befinden sich die Datumswerte (am besten in chronologischer Folge) und in B die Cash flows. Den Contributions sollte ein Minuszeichen vorangestellt werden. Am Ende von Contributions und Distributions setzte ich dann noch den aktuellen NAV ein.  Dieser steht sozusagen als Platzhalter für den aktuellen Wert des Fonds und damit der noch nicht ausschüttungsreifen Distributionen.

 Muster für die Ermittlung der IRR in MS-Excel

 In den Zeilen 2 und 3 findest Du zwei Contributions und in Zeile 4 eine Distribution. Wirt hätten also netto noch 1.200 TEUR im Fonds investiert, welche am 31.12.2011 mit 2.000 TEUR bewertet würden.

Die IRR zu diesem Stichtag beträgt laut MS-Excel knapp 11%. On Zeile 9 siehst Du auch die Formel. Ich habe einfach die Matrix aus Datumswerten mit den korrespondierenden Beträgen markiert und übertragen.  Ich könnte auch noch einen Schätzwert eingeben , dieser ist aber optional und damit nicht notwendig. In den Google-Tools erhalte ich mit der IRR-Funktion das gleiche Ergebnis. Allerdings wenn ich die XIRR-Funktion nutze, die für unregelmäßige Cash flows eingesetzt werden soll, dann liege ich bei 25,34%.

Bei Google wird empfohlen bei periodisch anfallenden Cashflows die IRR Formel = IKV und bei unregelmäßig anfallenden Cashflows die XIRR-Formel zu nehmen.

Also aufpassen und wie gesagt immer hinterfragen, was tatsächlich im Hintergrund passiert.

Berechnung des RVPI und des TVPI

Hier kommt jetzt nicht wirklich was neues, da ich bei der Distribution schon einen NAV eingesetzt hatte, ohne die Ermittlung  näher zu beschreiben. Ich verweise daher auf den Artikel: Typische Geschäftsvorgänge zwischen Fonds und ihren Investoren – Teil 4.2 – Distribution.

Die Berechnung der IRR habe ich im Beitrag ganz einfach dargestellt. Es gibt natürlich mehrere Arten den IRR zu berechnen. Das möchte ich bei Gelegenheit in einem separaten Beirag tun. Hier soll es dann auch um die Berechnung der IRR für den realisierten und unrealsierten Anteil gehen. 

Einflussbereiche

  Matrix Business Cases und Einflussbereiche im Verhältnis Fonds zu Investoren

Der NAV, in der Matrix als Valuation bezeichnet, ist keine Cashflow- Größe, da mit ihm keinerlei Mittelflüsse verbunden sind.

Allerdings ist er natürlich wie zuvor schon deutlich gemacht relevant für die Performance im Zeitraum zwischen Auflage des Fonds und der finalen Abwicklung. 

Hinsichtlich der Buchhaltung hängt die Verarbeitung wesentlich vom Rechnungslegungsstandard ab. In Deutschland ist die Rechnungslegung nach HGB (German-GAAP) immer noch führend. Danach sprechen wir dann über die Rechnungslegung nach IFRS.

Aufgrund meines zeitlichen Problems, muss ich die Musterbuchungen irgendwann mal nachholen. 

Bestandteil des Beitrags ist auch noch die Wertberechtigung (write-off). Hiermit befasse ich mich in einem separaten Beitragsteil. 

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