Typische Geschäftsvorgänge zwischen Fonds und ihren Investoren – Teil 5.3 – Wertberichtigung

Typische Geschäftsvorgänge zwischen Fonds und ihren Investoren –  Wertberichtigung (Write-off)

Im bisherigen Teil 5 der Beitragsreihe hatte ich mich mit der Ermittlung des NAV auseinandergesetzt. Bereits in Teil 5.1 hatte ich darauf hingewiesen, dass es auch noch die Wertberichtigungen (write-offs) gibt, die eine ganz andere Auswirkung auf die Rechnungslegung eines Fonds haben.

Was steckt also dahinter?

Ich denke auf den Punkt gebracht ist der wesentliche Unterschied zwischen der Bewertung und der Wertberichtigung die Realisierung. Bei der Bewertung geht man hin und versucht dem Investment im Zeitraum zwischen Einzahlung und Rückzahlung eine mehr oder weniger realistischen Wert zu geben, damit der Investor einen Anhaltspunkt darüber hat, was er vielleicht irgend einmal von seiner Wertanlage erwarten kann.

Bei der Wertberichtigung hingegen ist ein signifikantes wirtschaftliches Ereignis eingetreten, welches es für den Fonds notwendig macht, Teile seines Investments als uneinbringlich zu klassifizieren. In diesem Fall spricht man von einem realisierten Verlust, während alles, was mit der laufenden  Bewertung zu tun hat, als unrealisiert eingestuft wird.

Definitionen zur Wertberichtigung kann man im Internet sehr einfach finden, daher möchte ich dies hier auch nicht im Detail breit treten. Eines aber vielleicht doch noch, gemeint ist hier natürlich eine Einzelwertberichtigung des Anlagevermögens.

Verläuft beispielsweise ein Investment eines Private  Equity oder Venture Capital Fonds nicht wie erwartet, dann wird zunächst die laufende Bewertung nach untern angepasst. Sind aber Sanierungsmaßnahmen in Form von Verzichtserklärungen notwendig geworden, dann greift die Wertberichtigung.

Ich glaube im Oktober hatte  ich mal ein Modell über die Entwicklung eines Venture Capital Fonds veröffentlicht. Unter Modellrechnung eines Venture-Capital-Fonds – Teil 1 – Initialisierung und folgende Teile findest Du mehr hierzu. Ich hatte hier auch die hohen Ausfallraten erwähnt, die man einkalkulieren muss. Aber Investments fallen nicht immer zu 100% aus (Totalausfall), sondern sehr oft hat man es mit Teilausfällen zu tun, die entweder eintreten, wenn man bei Realisierung den ursprünglich eingesetzten Betrag nicht mehr erlösen kann oder aber wenn durch Sanierungsbemühungen nach und nach das  eingesetzte Kapital aufgefressen wird. Die Summe der Teilausfälle kann schlußendlich natürlich auch zu Totalausfall führen.

Andererseits können aus wertberichtigten Vermögenswerten durchaus noch Erträge erzielt werden. Hat man sich beispielsweise einen Besserungsschein unterzeichnen  lassen, dann kann bei Verbesserung der wirtschaftlichen Lage eines Unternehmens hieraus noch Erträge erzielt werden. 

Ich möchte mich auch in diesem Beitragsteil wieder an die gewohnte Gliederung halten. Weiter geht es also mit einem Rechenbeispiel.

Rechenbeispiel

Wir sind also wieder bei unserem 120 Mio. EUR Fonds mit den Investoren I1, I2 und I3. Investiert wurde bisher in die Unternehmen U1 und U2.

Die schlechte Entwicklung des Unternehmens U1 hatte sich in der Vergangenheit schon abgezeichnet. Die ‚Tauchfahrt‘ von U1 setzte sich fort. Da „Hopfen und Malz“ noch nicht verloren waren, haben sich die Investoren zu einem Schnitt entschlossen. Dieser führte dazu, dass 1/3 der Forderungen als uneinbringlich eingestuft werden mussten. Man hätte auch die Möglichkeit gehabt weiteres Geld in das Unternehmen zu pumpen, wollte aber nicht den klassischen Fehler machen, dem schlechten Geld gutes hinterher zu werfen.

Von den investierten 6.000 TEUR müssen also 2.000 TEUR wertberichtigt werden. Außerdem muss natürlich die laufende Bewertung den neuen Gegebenheiten angepasst werden. Die Besonderheit war auch, dass nur die Investoren I2 und I3 indirekt an U1 beteiligt sind.

Zuvor hatte ich U1 noch mit 5.400 TEUR bewertet. Jetzt setzt sich der NAV wie folgt zusammen:

  • U1  = 4.000 TEUR
  • U2 = 7.200 TEUR
  • NAV (neu) = 11.200 TEUR

#BezeichnungSumme FondsI1I2I3
15= NAV (vorher)12.6002.4005.1005.100
16= NAV (aktuell)11.2002.4004.4004.400
17= NAV (Veränderung)./. 1.4000./. 700./. 700
18=Investiert at Cost 12.0002.0005.0005.000
19./. Write-offs2.00001.0001.000
20./. Capital Return600200200200
21= Investiert at Cost (aktuell)10.4001.8003.8003.800

Ich habe Teile der Aufstellung des vorhergehenden Beitragsteils mit eingebaut. Zusätzlich habe ich noch neue Zeilen eingefügt (18-21), um die Veränderung der Bestandswerte (Value at Cost) deutlich zu machen. Eine laufende Bewertung von U1, diesmal at Cost, halte ich aufgrund der aktuell durchgeführten Kapitalmaßnahme für sinnvoll.

Das Finanzamt habe ich im Beispiel mal außen vorgelassen. Leider kommt es bekanntlich bei solchen Maßnahmen zu unerfreulichen Begegnungen mit dem Finanzamt.   

Mit den Kennzahlen, den Stellgrößen und den Buchungen befasse ich mich im demnächst folgenden Teilbeitrag.

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