Modellrechnung eines Venture-Capital-Fonds – Teil 3 – Fondsvolumen und Abflüsse

Modellrechnung eines Venture-Capital-Fonds – Teil 3 – Fondsvolumen und Abflüsse

Fondsvolumen

Das Volumen wurde bisher etwas zu wage angegeben. Daher gilt es jetzt, dieses näher zu spezifizieren. Abhängig vom jeweiligen Vertrag wird die von den Investoren zu tragende Management Fee entweder ins Volumen des Fonds eingerechnet oder aber es wird gesondert behandelt. Im angelsächsischen Raum spricht man daher auch von der Management Fee inside Commitment (zu mindestens 95% in der Praxis der Fall) und der Management Fee outside Commitment, also zusätzlich zum Commitment  zu erbringen.

Ich will es mir hier einfach machen, also wähle ich die Standardvariante. Da ich im Musterfall auch nicht wie ansonsten üblich, die Bezugsgröße für die Berechnung oder den Prozentsatz variable gestaltet habe, lässt sich die Management Fee einfach pro Quartal ermitteln. Der Teil, der als Management Fee abfließt kann nicht mehr investiert werden.

Üblich wäre es z.B. die Bezugsgröße der Management Fee am Ende der Investmentperiode, die ersten 5 Jahre, vom gezeichneten Kapital – Committed Capital – auf den jeweiligen Stichtags-NAV zu ändern. Vielfach sind die Prozentsätze bei der Management Fee anfänglich höher und reduzieren sich später einmalig oder in staffelform. Da sind die Berater sehr findig, um dem Backoffice und den Softwareanbietern später das Leben schwer zu machen. 

Die geplante Investitionssumme und die vorkalkulierte Management Fee erlauben es, das in etwa erforderliche Fondsvolumen zu bestimmen.

Was mir noch fehlt ist die Anzahl der geplanten Investments. Aus meiner Erfahrung sollten es unter Beachtung einer ausreichenden Risikostreuung schon mindesten 20 Investments in unterschiedliche Unternehmen entsprechend der hier nicht näher angesprochenen Anlagestrategie sein.

D.h. wir hätten 20 Investment von je 3 Mio. EUR. Das macht 60 Mio. EUR. Dazu rechne ich am Besten für einen Zeitraum von 12 Jahren die Management Fee mit 1,5% p.a. ein. Dies ergibt dann 60 Mio. EUR zuzüglich 9 Mio. EUR (60 Mio. *1,5% *12 Jahre). Da die Management Fee später nicht von den 60 Mio. EUR, sondern von den 69 Mio. EUR berechnet würde, macht es Sinn, das Fondsvolumen aufzurunden und auf 72 Mio. EUR festzulegen.

Dieses Fondsvolumen von 72 Mio. EUR bringe ich jetzt, entsprechend den Vorgaben, modellhaft unter die Leute. Leute sind in diesem Fall die Portfoliounternehmen und die Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG).

Abflüsse – Cash out

Alle Abrufe des zuvor von den Investoren gezeichneten Kapitals führen in aller Regel zu einer Reduzierung der verbleibenden Einzahlungsverpflichtung. Branchenintern spricht man auch von dem Commitment des Investors/ Zeichners oder Subscribers. Das Remaining Commitment ist die verbleibende Verpflichtung nach Abzug der getätigten Kapitalabrufe – Contributions – vom gezeichneten Kapital – Commitment. 

Im Musterfall gehe ich davon aus, dass es nur eine Finanzierungsrunde gibt. Vielfach kommt es vor, dass der Fonds neben einer ersten Finanzierungsrunde – Initial Closing oder first Closing – noch eine oder  mehrere Runden nachschiebt – Second Closing etc.

Die Abflüsse des vom Investor eingebrachten Kapitals an die Protfoliounternehmen (Investments) und die KVG (Management Fee) gestaltet sich wie folgt:

Abflüsse - Cash out

Abflüsse

Was zeigt uns die Zahlentapete?

Dem Teilausschnitt der Kalkulationstabelle kann man entnehmen, dass der Fonds bis Ende 2018, also über einen Zeitraum von 5 Jahren, ausinvestiert ist. Geht man ferner davon aus, dass der Fonds noch bis Ende 2023 fortgesetzt wird, dann käme zu den 60 Mio. an investiertem Kapital noch ein Betrag von 10,8 Mio. EUR für die Management Fee hinzu. Diese Beträge wären von den Investoren aufzubringen. Bezogen auf die abgerufene Summe – Capital call – von insgesamt 70,8 Mio. EUR würden etwas über 15% auf die Management Fee entfallen. Tabelle und Grafik zeigen das Bruttoinvestment der Investoren. 

In der Realität wird dieser Betrag aufgrund von zwischenzeitlichen Rückführungen so gut wie nie erreicht. Viele Investoren kalkulieren daher intern auch nur mit einem tatsächlichen Netto-Kapitalbedarf von 85-90% auf das gezeichnete Volumen. Beim Differenzbetrag handelt es sich um eine technisch bedingte Überzeichnung – Over-Commitment. 

In der ersten Spalte findest Du die Quartale. Diese sind sehr wichtig, denn in der Branche ist man, wie im angelsächsischen Raum üblich, Quartals getrieben. Die 2. Spalte enthält zur besseren Übersicht das Jahr und die dritte Spalte das Datum, jeweils der 15. des letzten Monats eines Quartals.

In der Spalte „Auszahlung“ sind die 20 Investments aufgeführt, die entsprechend den Annahmen auf die ersten 5 Jahre auf die Quartals verteilt getätigt werden sollen. Die Spalte „Management Fee“ enthält die Management Fee von 1,5% auf 72 Mio. EUR. Im Quartal fällt somit eine Fee von 270.000 EUR (72 Mio. * 1,5% /4) an.  

In den nachfolgenden Spalten erfolgt die Aufsummierung und die kumulierte Darstellung der Abflüsse – cumulated cash out. Insgesamt werden also 60 Mio. EUR (20 Investments von je 3 Mio. EUR) investiert. 

Das Kapital ist jetzt erst einmal weg. Zeit also, um sich Gedanken um die Rückführung zu machen. In den Vorgaben wurde festgelegt, dass die ersten Ausfälle nach 3 Jahren und die erfolgreichen Beteiligungen nach 5 Jahren zurückgeführt werden. Bevor ich aber näher auf die Rückführung eingehe, möchte ich mich zunächst um den NAV kümmern.

Schau Dir bitte den 4. Teil der Beitragsreihe an, den ich in den nächsten Tage veröffentliche. 

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